Freitag, 26. Dezember 2008

Weihnachten 2008

Dieses Jahr bin ich ueber Weihnachten in Pakistan geblieben.
Um zu vermeiden am Ende voellig depressiv zu Hause zu sitzen, habe ich zwei meiner Kollegen (sie sind Christen) gefragt ob sie in der Weihnachtsnacht mit mir in die Kirche gehen. Es gibt hier ein paar sehr schoene Kathedralen. Wir wuerden sie nicht als Kathedralen bezeichnen, fuer uns waeren es normale Kirchen, aber fuer die Verhaeltnisse hier sind sie gross und schoen. Immerhin bilden Christen ja nur eine Minderheit in diesem Land.

Jedenfalls gab es eine Mitternachtsmesse, die um halb zwoelf beginnen sollte.

Doch erst einmal musste der Truthahn vorbereitet werden. Rita meine Koechin ist da sehr pfiffig vorgegangen. Sie hat sich den Koch der amerikanischen Familie, die auch hier im Haus wohnt zum Freund gemacht. Der ist dann vorbei gekommen und hat mit ihr alles vorbereitet und gekocht. Ich brauchte keinen Finger zu ruehren und hatte am Ende einen dreieinhalb Kilo Truthahn mit Fuellung, Kartoffelpueree, mit Kaese ueberbackenen Blumenkohl, Sosse und Salat auf dem Tisch. Gott sei Dank dass gerade noch zwei Kollegen von Mazhar vorbei kamen, die uns beim Essen helfen konnten.

Am Abend war ich bei Simone eingeladen. Ihr Mann Johan musste ueber Weihnachten nach Suedafrika und kommt erst Mitte Januar zurueck. Also musste sie auch ein wenig aufgemuntert werden. Ich war schon um acht mit meinem Lachs dort aufgeschlagen. Die zwei mitgebrachten Flaschen Sekt wurden sehr bejubelt und direkt eine geoeffnet. Die anderen Gaeste kamen dann so nach und nach, wie in Pakistan ueblich. Als ich mich um halb elf auf den Weg zur Kirche gemacht habe, waren die letzten Gaeste immer noch nicht eingetroffen und weder Bescherung noch Abendessen gestartet.

Der Gottesdienst in der Kirche wurde vom Bischof persoenlich halb in englisch und halb in Urdu gehalten. Lieder wurden zusammen gesungen, die einen in Urdu, die anderen in englisch. Jeder so, wie es ihm gefiel.
Beim Verlassen hat dann der Bischof noch mal jedem einzelnen die Hand gedrueckt und froehliche Weihnachten gewuenscht. Stelle sich das mal einer am Koelner Dom vor... Aber auch hier war die Kirche gut gefuellt und es hat einige Zeit gedauert bis alle verabschiedet waren. Mich hat er natuerlich gefragt, ob ich neu in der Stadt bin. Noe, schon fast zwei Jahre hier. Er haette mich aber noch nie gesehen. Ups, das koennte hinhauen.

Nach dem Gottesdienst sollte ich wieder auf die Party bei Simone kommen. Aber es war mittlerweile fast halb zwei und ich doch ein bisschen muede. Ausserdem hatte ich versprochen am naechsten Morgen um acht mein Pferd zu reiten. Also habe ich abgesagt und bin schnell nach Hause ins Bett.

Das fruehe reiten hat gut getan. Morgens ist es noch angenehm kuehl und dann 20 Minuten auf einem galoppierenden Pferd macht den Kopf frei.

Zu Mittag war ich dann bei dem einen Kollegen, der auch schon mit im Gottesdienst war, und seiner Familie eingeladen. Um eins sollte ich da sein.
Okay, ich bin ja mittlerweile ein wenig angepasst und bin um halb zwei dort eingetrudelt. Essen gab es dann um halb vier, nachdem auch der Rest der Familie eingetroffen war. Aber daran gewoehnt man sich.
Nach dem Tee habe ich mich dann verabschiedet (so gegen fuenf) und bin nur ein paar Haeuser weiter zu meinem Urdu Lehrer gegangen.
Er wollte auch einen Tee mit mir trinken. Und manchmal hat er einfach super Geschichten zu erzaehlen. Oft zweifle ich was er sich da mal wieder zusammen reimt, aber dann stelle ich fest, dass, so unglaublich seine Geschichte auch klingt, er keine Maerchen erzaehlt. Zum Beispiel hat er mir gestern erzaehlt, das Perser ihre Toten nicht verbrennen oder vergraben. Nein, sie haben spezielle Tuerme und dort werden die Toten in einer gewissen Hoehe aufgebahrt, nachdem man sie mit Joghurt eingerieben hat. Den Rest erledigen dann die Voegel. Die Knochen fallen im Turm nach unten, werden eingesammelt und dann verbrannt. Ihr koennt ja mal recherchieren ob es stimmt oder nicht. Ich habe auf jeden Fall noch nie davon gehoert.

Zum Abendessen wieder ein paar Haeuser weiter (alle Christen scheinen in ihren eigenen Gebieten zu leben) zum zweiten Kollegen. Und wieder essen, erzaehlen, essen, trinken. Nach dem Kaffee war es dann schon halb zwoelf und ich hundemuede. Aber das ist das Gute, nach dem Essen kann man direkt aufstehen und Tschuess sagen. Das ist normal und wird auch so erwartet.

Jedenfalls waren es dank meiner Freunde und Kollegen zwei sehr schoene Weihnachtstage. Und ich bin auch im naechsten Jahr wieder eingeladen.