Vor zwei Wochen waren wir am Samstag auf dem Land.
Mein Fahrer hat ja den kleinen Hund, den meine Freundin Claudia in Islamabad gefunden hat, genommen und der lebt jetzt seit drei Wochen auf seinem Hof in Zafarwal. Es wurde also Zeit einmal dort vorbei zu schauen.
Nach zweieinhalb Stunden Fahrt waren wir da. Mitten im nirgendwo ein paar Häuser zu einem Dorf zusammen gefügt. Ich dachte ja wir Deutschen wären schlimm mit dem Einzäunen unseres Grundstücks, aber hier ist jedes Haus von einer hohen Mauer umgeben. Darf der Nachbar nur ja nix sehen oder wissen? Keine Ahnung.
Jedenfalls Tor auf, Auto in den Innenhof, Tor zu, dann wir raus.
Haleem´s Frau war da, seine drei Töchter, die Mutter, der Bruder mit Frau und Kindern und wer weiss ich noch wer alles.
Haleem’s Frau hatte gekocht. Miam, miam. Fleisch und Gemüse waren so frisch wie selten. Und die Milch für den Tee danach kam direkt von der hauseigenen Kuh. Die ist mal wieder schwanger und erwartet ihr zweites Kälbchen. Dann hat Haleem insgesamt drei Kühe. Wenn ich auch bezweifle, dass das Kälbchen vom letzten Jahr das diesjährige Opferfest überlebt.
Dem kleinen Kahn ging es auch super. Ach so, ja, es ist ja eine Kahn(in). Habe schon mit meinem Tierarzt gesprochen, in vier bis fünf Monaten werden wir sie nach Lahore bringen und sterilisieren lassen. Viele, viele Hundebabies, die dann doch keiner haben will, brauchen wir nämlich ganz bestimmt nicht.
Haleem hat uns auch sein Land gezeigt. Er baut Klee, Weizen und Reis an. Der Klee stand gerade in Blüte und der Weizen musste geerntet werden. Natürlich nicht wie bei uns mit dem dicken Mähdrescher sondern schön von Hand. Jede Garbe wir hier noch mit der kleinen Handsense geschnitten und in grösseren Gebinden zusammen gefasst und auf dem Feld abgelegt. Dann kommt das Dreschen, auch von Hand. Dann geht das Korn zum Müller und wird gemahlen. Feinstes Mehl kommt zurück.
Die gleichen Felder, die von Januar bis Mai mit Weizen bestellt sind, werden anschliessend über die Regenzeit fuer Reis benutzt. Aber Reis ist aber noch arbeitsintensiver. Jede Pflanze muss einzeln in den Boden eingesetzt werden. Und dann natürlich regelmäßig bewässert werden, wenn das flüssige Gold mal nicht so wie geplant vom Himmel fällt. Dazu gibt es überall rund um die Felder ein ausgeklügeltes Kanalsystem in das dann entsprechend Wasser gepumpt werden kann.
Der Rückweg nach Lahore führte uns durch eine ländliche Gegend mit jeder Menge Erdbeerfeldern. Die Ernte ging da schon ihrem Ende zu und wir haben ganz frische 10 kg Erdbeeren fuer umgerechnet 5 Euro gekauft. Blöderweise musste ich die dann zu Hause angekommen alle putzen. Man, das nahm und nahm gar kein Ende.
Doch jetzt ist der Gefrierschrank gut gefüllt und zwischendurch gibt es dann immer mal einen super frischen Erdbeershake.
Haleem hat mir dann auch noch erzählt, das ich die erste Ausländerin war, die sein Dorf besucht hat und alle waren mächtig stolz mich getroffen zu haben.
Das war ich aber auch...