Samstag, 9. Februar 2008

Ein Tag in Kasur

Heute Morgen war ich erst einmal wie immer reiten. Ich bekam das Pferd, dass einmal eine Schulter gebrochen hatte und nicht mehr voll für Polospiele eingesetzt wird. Die anderen Pferde wurden heute und morgen für richtige Polospiele benötigt. Meine Reitbegleitung konnte oder wollte nicht reiten also war ich alleine. Aber samstagmorgens kommt auch immer eine Amerikanerin, die ein vergleichbares Arrangement mit einem Pferdebesitzer im Poloclub hat. Also haben wir uns zusammen getan und sind gemeinsam geritten.
Auf Anweisung haben wir die Pferde 20 Minuten nur galoppieren lassen um sie auf Kondition zu bringen. Mein Pferd allerdings stolperte so oft, dass ich nach 30 Minuten nicht sicher war ob alles in Ordnung mit ihm ist und ich bin zurück zum Stall geritten. Der Pfleger hatte aber keine Bedenken und meinte es gäbe kein Problem. Okay, wir werden sehen, wie es morgen wird.

Dann musste ich schnell nach Hause duschen, denn um 11 Uhr war die Abfahrt nach Kasur geplant. Kasur liegt ungefähr 40 km südöstlich von Lahore, ebenfalls an der indischen Grenze. Unser Office Manager kommt von dort und er hatte uns schon einmal letztes Jahr auf seinen Landbesitz eingeladen. Wir also zu sechs in zwei Autos los.

Dort angekommen wartete man schon auf uns. Ein großes Grillfest wurde gestartet. Zuerst gab es Fisch mit einer sehr leckeren Minzsoße. Dann später Rindfleisch mit Roti (Brot) und Spinat. Als Nachtisch noch ein paar Süßigkeiten die ein anderer Gast speziell für uns mitgebracht hatte.
Ich war so voll, konnte kaum noch gehen.

Dann sind wir zur Grenze gefahren. Auch hier gibt es eine Grenzschliessungszeremonie. Ähnlich wie in Wagha, aber doch ganz anders. Wir waren ganz spezielle VIP Gäste und durften erst einmal zusammen mit dem örtlichen Verwalter Tee trinken. Hier sitzen die beiden Länder zusammen in einem Viereck ganz nahe an den beiden Fahnen. Die Inder sitzen auf der linken Seite, die Pakistani auf der rechten. Die Grenze verläuft offen quer durch das Viereck, dass durch die beiden Tribünen auf den beiden Seiten gebildet wird. Die beiden Fahnenmaste stehen inmitten des Vierecks auf der jeweiligen Landesseite.

Für uns hatte man Stühle direkt am Geschehen vorbereitet. Dann ging es los. Marschieren der Grenzsoldaten auf beiden Seiten. Beine schwingen, Gewehr präsentieren, laute Befehle und dem Inder zeigen, wer der hier der Herr ist. Am Ende stehen dann der pakistanische Soldat auf der indischen Seite und der indische umgekehrt auf pakistanischem Boden (ob die auch die entsprechenden Visa haben?) und die beiden Fahnen werden parallel eingeholt. Dazu wird auf dem Horn geblasen. Sehr eindrucksvoll und durch die Nähe auch viel netter für uns Besucher zu sehen.

Mit der untergehenden Sonne war dann. wie auch beim großen Bruder Wagha, alles vorbei.

Anschließend mussten wir dann natürlich noch zu unserem Office Manager nach Hause. Frisch gepresster Orangensaft wurde gereicht. Die Männer sind dann dort geblieben, die Frauen fuhren mit dem Auto zum nahe gelegenen Bazar um Pantoffeln (ein Geschenk für uns) zu kaufen. Wir haben zig Paare probiert und sind am Ende jeder mit zwei Paar zurückgekommen. Ein zusätzlicher Halt in einem kleinen Restaurant um Faloota (eine Spezialität in Kasur, ein süßer Dessert aus Nudeln und Karamellpudding) konnte ebenfalls nicht abgelehnt werden. Und mein Einwand mir bitte nur eine kleine Portion zu geben verhallte wie immer im Nirwana. Okay, ich gebe auf. So ist eben Pakistan.

Gegen 9 Uhr abends war ich dann wieder zu Hause. Ein toller Tag. Da sag noch einmal jemand in Pakistan wäre nichts los.