Heute gegen elf Uhr abends ging mein Telefon. Mazhar rief an. Er hatte einen Anruf von unserer Haushaltshilfe Rita bekommen. Ihr Sohn hatte heute extreme Bauchschmerzen und nachdem die Familie ihn ins Krankenhaus gebracht hatte war klar: Er braucht eine Blinddarmoperation.
Leider hatte die Gute am Monatsende kein Geld. Naja, ist auch meine Schuld. Eigentlich ist ja schon Monatsanfang und ich hatte ganz vergessen ihr ihr Gehalt hin zu legen.
Also meinen Fahrer angerufen und das Auto klar gemacht. Dann erst einmal zur Bank. Mit dem Geld dann zum Krankenhaus. Ach herrje, was ist hier denn des Nachts so los? Geht ja zu wie bei uns auf der Kirmes. Die Notaufnahme ein offener Raum mit ein paar Betten. Puh, da willste nicht eingeliefert werden. Und natuerlich alles voller Menschen. Sterilitaet? Fehlanzeige.
Der Sohn lag auf einem Bett und ihm ging es dank intravenoes verabreichtem Schmerzmittel relativ gut. Aber dann kam ein weiterer Notfall herein. Ein Patient, der wohl einen Motorradunfall hatte. Ja, das gibt es hier ja alle Nase lang. Der war ueberall (Auge, Arme, Beine, Koerper) verbunden (mehr oder weniger) und brauchte das Bett dringender. Hassan (Rita's Sohn) musste das Bett raeumen.
Da haste Schmerzen (wenn auch ein wenig betaeubt) und musst rumstehen, weil kein anderes Bett frei ist. Ader du kannst eben noch stehen. Die Betten mit Blut und was weiss ich noch verschmutzt. Liegt halt einer nach dem anderen drin. Keine Zeit zum Wechseln der Laken.
Hassan hat sich dann nach einer halben Ewigkeit doch dazu entschlossen sich mit einem anderen Patienten, den er natuerlich nicht einmal kannte, das Bett zu teilen. Da lagen die beiden nebeneinander und harrten der Dinge, die wohl kommen moegen.
Der Arzt hat mir aber versprochen bestmoegliche Arbeit bei der Operation (fuer diese Nacht um 2 Uhr geplant) zu leisten. Das laesst hoffen.
Ich habe dann diesen gastlichen Ort wieder verlassen, nicht ohne Rita mehr als einmal einzuschaerfen mich sofort zu jeder Uhrzeit anzurufen, wenn sie meine Hilfe benoetigt.
Und auf jeden Fall muss sie sich morgen frueh bei mir melden um telefonisch mitzuteilen wie es ihrem Sohn nach erfolgter Operation geht. Hoffentlich wird alles wieder gut.
Und kaum zu glauben, aber sie will morgen sogar zur Arbei kommen. Ich konnte ihr nicht ausreden im Krankenhaus zu bleiben. Sie meinte ihre Tochter waere dort und sie koennte auf jeden Fall ihre Aufgaben erledigen. So eine Seele...