Gestern Abend bin ich pünktlich um 18.00 Uhr bei meinem Kollegen und seiner Familie zum Abendessen eingetroffen. Sie waren von mir vorgewarnt, dass ich Deutsche bin und zur angegebenen Zeit auch erscheinen werde. Pakistani kommen ja meist zwischen ein und zwei Stunden später zu offiziellen Einladungen. Ich hatte noch Blumen und Süßigkeiten besorgt. Das bringt man hier zu Einladungen mit, habe ich mir sagen lassen. Die obligatorische Flasche Schnaps oder Wein als Mitbringsel fällt ja hier nun mal aus. Grins.
Zuerst gab es Orangensaft und kleine Kanapees. Mein Kollege war früher Major in der pakistanischen Armee und er lebt ein einem Viertel in dem nur Offiziere oder ehemalige Offiziere der Armee leben. Seine Familie ist über die ganze Welt verstreut. Er hat Verwandte in Norwegen, Kanada und Australien. Sein Schwiegervater ist Anwalt. Er hat damals am Fall Bhutto mitgearbeitet. Zulfikar Bhutto war bis zu seiner Inhaftierung Präsident von Pakistan. Er wurde zum Tode verurteilt und hingerichtet. Mujtaba’s Schwiegervater hat zwei Bücher über den Fall geschrieben und ich habe sie gestern beide mit einer persönlichen Widmung von ihm geschenkt bekommen.
Wir haben uns über alle möglichen Themen unterhalten. Zum Beispiel, dass es immer noch viel zu viel ungebildete Menschen in Pakistan gibt. Gestern zum Beispiel hat uns beim Reiten ein Mann auf einem Motorrad überholt. Auf seinem Sitz hinter ihm lag quer ein totes Kalb. Etwas später haben wir ihn mit den Pferden überholt, als er am Straßenrand das tote Kalb gehäutet hat. Noch etwas später, wir waren auf unserem Rückweg, kam uns dann der Leichnam des Kalbs im Wasser des Kanals entgegen geschwommen. Und im gleichen Kanal wird Wäsche gewaschen und gebadet. Das kann ja nicht funktionieren.
Gegen halb neun gab es dann Essen. Wir waren fünf Personen. Aber gekocht war für mindestens 20. Es gab sage und schreibe 6 verschiedene Gerichte mit drei verschiedenen Brotsorten und noch so diverse Beilagen. Ich konnte kaum alles probieren. Dann noch die obligatorischen frischen Mango zum Dessert. Und eine halbe Stunde später zum Kaffee noch ein köstliches Eis. Ich konnte mich kaum noch bewegen.
Als wir gerade mit dem Essen fertig waren fiel mal wieder der Strom aus. Und ich konnte einmal erleben, was es heißt keinen Generator zu haben. Der Strom war ca. für 30 Minuten weg und nach 10 Minuten wurde es doch lecker warm in der Bude.
Und die Klimaanlage, die vorher lief hatte es nicht geschafft das Zimmer wirklich zu kühlen.
Bevor ich zum Schluss gehen konnte musste ich noch ein Bronzepferd (weil ich ja Pferde so mag) und eine Tagesdecke für mein Bett als Geschenk annehmen. Und vom Essen wurde auch noch reichlich mitgegeben. Ich glaube die nächste Woche brauche ich nicht kochen.
Ich habe dann aber glücklicherweise noch erfahren, dass ihr Sohn heute Geburtstag hat. Und dass er gerne Playstation spielt. Also werde ich gleich noch einmal losziehen und ein neues Spiel für ihn besorgen. Hoffentlich finde ich das richtige. Er meinte er steht auf Action Spiele.