Dienstag, 14. August 2007

Zweiter Besuch in Murree

Freitag nach der Arbeit ging es los. Wir sind um 18.30 Uhr Richtung Norden aufgebrochen und waren dann auch nach ziemlich genau 6 Stunden gegen 0.30 Uhr in Murree. Die Temperatur angenehme 22 Grad (nach 35 Grad bei Abfahrt aus Lahore).
Das Haus liegt wirklich auf einem Berggipfel und ist ein bisschen in den Hang gebaut. Das hieß also erstmal vom Parkplatz aus ziemlich viele steile Stufen nach oben klettern um überhaupt unser Wochenendquartier zu erreichen. Hechel, hechel, ich war schon das erste Mal der Erschöpfung nahe.
Das Haupthaus hat im Untergeschoss zwei Schlafzimmer mit Bad und Küche. Also fast wie eine richtige kleine Wohnung. Dort sollte Sarfraz (mein Fahrer) schlafen. Er war nicht so glücklich über die Lösung, hatten wir doch schon auf der Fahrt festgestellt, dass sein Herz wirklich ein sehr kleines ist und er fürchterliche Angst hatte dort etwas abseits von uns zu schlafen. Er hat die ganze Nacht das Licht nicht ausgeschaltet.
Auf der Hauptebene gab es ein großes Esszimmer, eine Küche, ein Schlafzimmer mit Bad, ein riesiges Wohnzimmer und eine Etage höher noch einen großen Raum mit Bad. Dieser wird gerne für diverse Partys genutzt.
Im Garten dann ein zweites Haus mit 2 Schlafzimmer + Bäder, Küche, Wohn- und Esszimmer. Dort haben wir (Hasnain mit seinen zwei Kindern) und ich gewohnt. Leider gab es hier nur fließendes Wasser in der Küche. Die Badezimmer mussten manuell aus dem Eimer betrieben werden. Aber egal, ich war müde und wollte nur noch schlafen.
Am nächsten Morgen dann schon vor 8 Uhr ein Anruf. „Hallo hier ist Ammad (unser IT-Manager). Ich habe gehört du bist mit Hasnain in Murree. Ich habe mein Team dabei und wir sind auch hier. Können wir bei euch frühstücken?“ Aber klar doch. Kommt vorbei. Leider konnte ich nicht wirklich darüber Auskunft geben wo wir waren. Und auch ein herbeigerufener Hasnain konnte zwar den Weg erklären, nicht aber verhindern, dass die Sicherheitskräfte an der Einfahrt zum Gelände den Zutritt verwehrten. Die fünf sahen wohl nach einer Nacht im Auto nicht gerade sehr seriös aus. Also Hasnain erstmal dort hin und die Kollegen gerettet. Ich habe in der Zwischenzeit das Frühstück vorbereitet. Und die lieben Kollegen blieben dann auch noch über Nacht. Wir haben ein Matratzenlager im Partyraum unter dem Dach für sie eingerichtet.
Wir hatten den ganzen Samstag viel Spaß zusammen. Wir sind mit einer Seilbahn gefahren, was wiederum eine riesige Herausforderung für meinen Fahrer war. Erst wollte er gar nicht einsteigen. Dann hat er sich doch überwunden, aber ich glaube so richtig genießen konnte er es nicht.

Anschießend auf einer Art Schiffschaukel wurden wir hin und her geschaukelt. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie seine Beine dort gezittert haben. Aber er hat tapfer alle Prüfungen gemeistert, die wir im sozusagen auferlegt hatten.
Abends waren wir dann im Zentrum von Murree zum Essen. Riesig viele Menschen unterwegs, Murree ist eben ein beliebtes Ausflugsziel.
Sarfraz ist dann noch in dieser Nacht umgezogen und hat sein Untergeschoß Zimmer gegen das direkt an der Küche im Haupthaus eingetauscht. Aber auch dort hat er die ganze Nacht das Licht brennen lassen.
Sonntagmorgen sind dann die IT’ler nach dem gemeinsamen Frühstück wieder abgerückt. Wir haben unser Auto genommen und sind zu einem nahen Ausflugspunkt gefahren. Auch hier gab es eine Seilbahn. Leider war die Schlange so lang, dass wir mindestens eine Stunde hätten anstehen müssen, um auf den Gipfel zu gelangen. Das haben wir dann nicht getan. Sarfraz war sehr erleichtert über diese Entscheidung. Er meinte Gott hätte seine Gebete erhört und ihn vor dieser neuen Prüfung bewahrt.
Beeindrucken konnte ich mit meinen Schießkünsten. Mit dem Gewehr habe ich nicht nur jeden Luftballon am lokalen Schießstand getroffen, nein, auch eine kleine Figur konnte sich nicht vor mir retten. Die anderen waren glaube ich ein bisschen überrascht, dass eine Frau so etwas kann. Obwohl sie natürlich weit aus besser getroffen haben als ich. Selbst eine Stecknadel wurde von ihnen weggepustet.
Montagmorgen haben wir dann zusammengepackt. Der Rückweg führte uns über Islamabad, wo wir nach 2 Stunden Fahrt dann unsere Rückreise unterbrochen haben um uns dort ein wenig umzusehen. Wir haben das Gelände besucht, auf dem noch in diesem Jahr unser zweiter Markt eröffnet werden soll. Man konnte schon die ersten Betonpfeiler sehen. Es geht also auch dort voran.
Wir haben die Faisal Moschee (das Wahrzeichen Pakistans) besucht. Und ich konnte es nicht lassen auch der noch vor einigen Wochen schwer umkämpften Roten Moschee (Lal Masjid) einen Besuch abzustatten. Übrigens ist sie zurzeit nicht rot sondern weiß, wie dieses Foto beweißt.



Im Vordergrund sieht man (oder vielmehr sieht man nicht mehr) die abgerissenen Gebäude des umstrittenen Komplexes.

Gegen acht haben wir dann die weitere Rückfahrt nach Lahore angetreten und waren gegen Mitternacht wieder zurück.

Heute ist Unabhängigkeitstag. Die Pakistani feiern den 60. Geburtstag ihrer Republik.
Viele Häuser sind mit Lichterketten geschmückt und wenn nicht gerade der Strom ausfällt leuchten diese auch. Seit ein paar Stunden gibt es immer wieder an unterschiedlichen Stellen Feuerwerk. Fast so wie bei uns zu Silvester. Nur das man sich hier nicht auf einen gemeinsamen Zeitpunkt zu einigen scheint. Jeder schießt seine Raketen ab, wenn er es für richtig hält. Das verringert das Aha-Erlebnis (nur kleinere Feuerwerke) erhöht aber den Zeitfaktor (geht jetzt schon Stunden die Knallerei).

Morgen heißt es dann wieder ran an die Arbeit. Das lange Wochenende hat gut getan, ich freue mich aber auch darauf wieder im Büro loszulegen. Und in zweieinhalb Wochen geht es ja auch schon wieder für eine Woche nach Hongkong.
Dort werde ich meine Freundin Anke treffen und ich freue mich schon sehr darauf.
Die Arme muss allen möglichen Kram für mich aus Deutschland heran schleppen. Ja, man muss die Gelegenheiten nutzen und Anke ist diesmal das Opfer.