Früh am Donnerstagmorgen machten wir uns auf den Weg nach Shandur.
Zuerst mussten wir den KKH (Karakoram Highway) nehmen und den Zustand dieser Strasse habe ich ja bereits erklärt. Aber diesmal war es zumindest ein geschlossenes Auto in dem wir fuhren und wir mussten nicht all den Dreck und Staub schlucken der von anderen Fahrzeugen aufgewirbelt wurde.
Nach drei Stunden Fahrt waren wir wieder in Gilgit. Von hier sind wir Richtung Shandur in ein Tal abgebogen und die Strasse war auf einmal richtig gut. Das Tal eine wahre Perle.
Der Fluss der hier fliesst heisst Gilgit River und hat am Oberlauf eine tolle türkise Farbe.
An einer Stelle gab es auch hier vor Jahren eine Lawine und ein See in der selben türkisen Farbe wurde gebildet (Khalti See). Dort gibt es viele Forellen und wir haben einige Fischer gesehen, die ihr Glück versuchten.
Lunch gab es im PTDC Hotel Gupis. PTDC Hotels sind staatlich betriebene Hotels und rund um Shandur waren alle Zimmer komplett für hohe Armeemitglieder und andere Regierungsvertreter reserviert. Kein Problem für uns, wir wollten ja sowieso direkt in Shandur im Zelt schlafen.
Kurz vor Gupis war auch eins unsere Autos kollabiert (wahrscheinlich Herzinfarkt aufgrund der Höhe) und wir mussten alle zusammen mit Gepäck in einem Prado weiterfahren.
Nicht sehr bequem, aber für 3 Stunden war es okay. Der arme Fahrer hat den Wagen im Schneckentempo nach Gilgit zurück gefahren, ein neues Auto bekommen und ist dann wieder nach Shandur aufgebrochen. Gegen morgen ist er dann wieder zu uns gestossen.
Dann endlich, nach zahlreichen Sicherheitsposten lag sie vor uns, die Hochebene von Shandur auf 3.735 m Höhe. Sie ist ein Pass und liegt zwischen den beiden grösseren Städten Gilgit auf der einen und Chitral auf der anderen Seite.
Einen Ort gibt es hier oben nicht. Nur einen See und eben das legendäre höchste Polofeld der Welt.
Es brauchte etwas Zeit um in all dem Gewussel hier oben unsere Zelt zu finden. Hunderte von Leuten waren hier, obwohl doch für heute die Spiele bereits vorüber waren.
Wir hatten fünf Zelte nah bei einander. Allerdings standen alle ein wenig am Berg und das bedeutete, dass ich die ganze Nacht immer irgendwie auf einer Rutsche ins Tal verbrachte.
Der Sternenhimmel, den wir zu sehen bekamen war einzigartig.
Das Klo allerdings weniger. Hier hatte man zwei Steine rechts und links über ein Loch im Boden gelegt und ein kleines Zelt darüber gebaut. Welch Freude. Der Duft war einzigartig und viele Mitbenutzer waren wohl auch nicht sehr treffsicher. Egal wat mut, dat mut.
Das Abendessen (Reis mit Rind) war nicht so dolle, aber viel Auswahl gab es ohnehin nicht. Wir waren früh im Schlafsack, weil das angekündigte Tanzfestival aufgrund von nicht vorhandener Elektrizität ausfallen musste.
Am Morgen lud nur der nahe See zum Waschen ein, ansonsten gab es natürlich kein fliessendes Wasser.
Was lässt also Leute hier rauf kommen? Kein fliessendes Wasser, keine anständigen Toiletten, kein Strom und noch nicht mal anständiges Essen?
Ein wenig später auf der Tribüne sitzend wussten wir es.
Die Polospieler von Chitral auf der einen Seite und die von Gilgit auf der anderen Seite zogen ins prall gefüllte Stadion ein, ein hoher Armeeoffizier reiste per Helikopter an (sage und schreibe 8 Helikopterlandeplätze waren vorbereitet), Paraglider zeigten ihr Können, Musikanten spielten und Tänzer tanzten. Rund 7.000 Menschen hatten sich mittlerweile rund um das Polofeld eingefunden, besetzten nicht nur die Tribünen sondern jeglichen freien Raum rund um das Feld.
Das Sicherheitsaufgebot an Polizei war gross. Mindestens 2.000 Polizisten taten hier Dienst um alles in einem geregelten Ablauf zu halten.
Ihr Eingreifen war allerdings nur einmal richtig gefordert, als der Schiedsrichter seine rote Fahne hob und damit ein umstrittenes Tor für Gilgit gab. Ein Spieler von Chitral war so zornig, das er mit seinem Spielstock auf den Schiedsrichter einschlug und die Polizei die beiden Streithähne trennen musste.
Ansonsten verlief alles sehr ruhig und nach 1 1/2 Stunden siegte Gilgit mit 8 zu 3 haushoch über Chitral. Es gibt übrigens 8 Teams (4 von Gilgit und 4 von Chitral), die sich hier in drei Festivaltagen miteinander messen.
Nach dem Spiel machten wir uns auf, da wir nach dem gestrigen Abendessen von der hiesigen Küche nicht sehr überzeugt waren.
Allerdings beschlossen wir unsere Tour nicht nach Chitral vorzusetzen, sondern nach Gilgit zurück zu fahren. Seit Tagen ist das Wetter in Islamabad nicht gut (Gewitter und heftiger Regen) und zahlreiche Flüge in den Norden von Pakistan sind ausgefallen.
Die Wartelisten für die kommenden Flüge lang. Und mit jedem Tag den man auf seinen Flug wartet (von den meisten Flughäfen hier oben gibt es nur eine Verbindung pro Tag) rutscht man auf der Warteliste nach oben. Keiner konnte uns also sagen ob wir wirklich Montag von Chitral zurück fliegen können. Wir wollten nicht riskieren, haben das Kalash Tal und Chitral von unsere Reiseliste gestrichen und sind zurück nach Gilgit gefahren.
Zum Mittagessen wollten wir wieder in ein PTDC Hotel einkehren, aber die Familie eines Armeeoffiziers blockierte das Restaurant und, obwohl es noch ausreichend freie Tische gab, konnte man uns nicht bedienen. Weil wir nicht wussten wie lange die nach futtern haben wir uns ein lokales Restaurant gesucht. Das Essen war allerdings schrecklich.
Hat voll nach Petroleum geschmeckt und war auch noch unverschämt teuer.
Am Abend endlich in Gilgit angekommen haben wir uns, nach eines ausgiebigen Dusche im PTDC Hotel, ein Abendessen im Serena Hotel gegönnt.
Dann die nächste Überraschung, der Autoverleiher, bei dem wir zuerst offene Jeeps für 7 Tage gebucht hatten (die wir ja später in Prados getauscht haben), war nicht bereit uns irgendwelches Geld zurück zu erstatten, weil wir seine Autos nur 4 Tage benutzt haben.
Und da er die Haupttransporteur für die gesamte Region ist, hatten wir auch wenig Möglichkeit und mussten letztendlich den zusätzlichen Wagen für unsere Rückreise bei ihm buchen.
Der gewiefte Leser mag fragen warum wir nicht die komfortablen Prados einfach auch für die Rückreise genutzt haben. Glaubt mir, nichts lieber als das, aber alle diese Wagen haben ein Problem. Sie sind auf nicht ganz legalem Weg nach Pakistan gekommen. Weder Einfuhrzoll noch Steuern wurden für sie bezahlt. Und so könnten sie die nördliche Region nicht verlassen. Eine Fahrt mit ihnen bis Islamabad ist unmöglich, wenn man nicht im Polizeigewahrsam enden will.
Bis 12 Uhr nachts haben wir mit dem Transporteur hin und her debattiert, aber er behielt die Oberhand und wir mussten seinen Preis für den Toyota Hiace Van bezahlen um morgen früh unsere 2-tägige Rückreise nach Islamabad anzutreten.
Für die Rückreise gibt es zwei Wegen. Den ersten über Besham haben wir bereits auf dem Hinweg genutzt. Der zweite über Naran und Kaghan ist kürzer, aber die Strasse bei Regen anfälliger für Lawinen.
So werden wir uns morgen erst einmal nach Chilas aufmachen und dort heraus finden wie die Strasse nach Naran im Moment beschaffen ist. Dort entscheiden wir dann welchen Rückweg wir einschlagen.